Der große Gravel Reifen Guide: Performance auf jedem Untergrund

Nahaufnahme eines Gravel Bike Reifens
Dein Gravel Reifen sollte optimal auf deine Tour abgestimmt sein.
Foto: JustGravel / KI generiert

Der perfekte Gravel Reifen existiert nicht. Aber der passende für dein Terrain und deinen Fahrstil. Wer seine Strecken realistisch einschätzt und Reifenbreite, Profil und Karkasse sinnvoll kombiniert, gewinnt nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Kontrolle und Fahrspaß. Der Markt ist entsprechend vielfältig: Reifenbreiten von 30 bis 50 mm, unterschiedlichste Profilkonzepte, Tubeless-Optionen und variierende Karkassenaufbauten. Diese Kaufberatung hilft dir, die technischen Unterschiede einzuordnen und eine fundierte Entscheidung für dein Einsatzgebiet zu treffen.

Reifenbreite: Physik, Komfort und Effizienz

Die Reifenbreite ist einer der wichtigsten Faktoren beim Gravel-Setup. Sie beeinflusst Rollwiderstand, Traktion, Komfort und Pannensicherheit gleichermaßen. Während schmale Reifen lange Zeit als schneller galten, zeigen aktuelle Messungen: Auf rauem Untergrund können breitere Reifen durch geringere Vibrationen sogar effizienter sein.

Moderne Gravel-Reifen bewegen sich typischerweise zwischen 30 und 50 mm, wobei sich je nach Strecke klare Schwerpunkte ergeben:

Breite Einsatzgebiet Vorteile Nachteile
30–35 mm Asphalt, fester Schotter Sehr geringer Rollwiderstand, leicht Wenig Komfort, eingeschränkter Grip
35–42 mm Gemischte Strecken Gute Balance aus Tempo & Kontrolle Kein Spezialist
43–50 mm Offroad, Sand, Trails Hoher Komfort, viel Traktion Höheres Gewicht, träger auf Asphalt

Breitere Reifen erlauben niedrigeren Luftdruck, was Vibrationen reduziert und den Kontakt zum Untergrund verbessert. Besonders auf langen Touren zahlt sich das in Form geringerer Ermüdung aus.

Tipp: Prüfe unbedingt die Reifenfreigabe von Rahmen und Gabel. Gerade bei Schlamm oder Nässe solltest du mindestens 5 mm Platz rund um den Reifen einplanen, um Schleifgeräusche und Lackschäden zu vermeiden.

Profil: Der Spagat zwischen Grip und Geschwindigkeit

Das Profil entscheidet darüber, wie vielseitig ein Reifen einsetzbar ist. Während glatte Laufflächen auf Asphalt im Vorteil sind, benötigen lose Untergründe definierte Stollen für Traktion und Seitenhalt.

Grundsätzlich lassen sich Gravel-Reifen in drei Profilkategorien einteilen:

Profil-Typ Charakteristik Typische Einsatzbereiche
Slick / Halbslick Glatte Mitte, leichte Seitenstollen Asphalt, trockener Schotter
Mittelprofil Gleichmäßige, niedrige Stollen Allround, wechselnde Bedingungen
Aggressiv Hohe, offene Stollen Matsch, Sand, technische Trails

Halbslicks rollen schnell, verlieren aber bei Nässe oder lockerem Untergrund deutlich an Sicherheit. Mittelprofile gelten als der vielseitigste Kompromiss und sind für die meisten Gravel-Fahrer die sinnvollste Wahl. Aggressive Profile spielen ihre Stärken dort aus, wo Traktion wichtiger ist als Geschwindigkeit.

Tubeless: Standard im Gravel-Bereich

Was im Mountainbike-Segment längst etabliert ist, hat sich auch im Gravel-Bereich durchgesetzt: Tubeless-Reifen. Sie kommen ohne Schlauch aus und dichten kleine Durchstiche mithilfe von Dichtmilch selbstständig ab.

Vorteile von Tubeless:

  • Deutlich reduziertes Pannenrisiko
  • Niedrigerer Reifendruck möglich
  • Mehr Komfort und Grip
  • Kein Snakebite-Risiko

Nachteile:

  • Etwas aufwendigere Montage
  • Regelmäßige Wartung der Dichtmilch
  • Höhere Einstiegskosten

Für ambitionierte Fahrer und lange Touren über wechselnde Untergründe ist Tubeless heute nahezu alternativlos. Wichtig ist die Kompatibilität von Felge und Reifen (TL-Ready).

Karkasse & Pannenschutz: Die unsichtbaren Unterschiede

Die Karkasse bestimmt, wie sich ein Reifen anfühlt, oft sogar mehr als das Profil. Sie wird in TPI (Threads per Inch) angegeben und beschreibt die Feinheit des Gewebes.

Hohe TPI-Werte (120+):
Sehr geschmeidig, komfortabel, niedriger Rollwiderstand
Ideal für Rennen und sportliche Touren

Niedrige TPI-Werte (60–90) mit Pannenschutz:
Robuster, langlebiger, etwas steifer
Besser für Abenteuer, Bikepacking und raues Gelände

Ein guter Pannenschutz erhöht das Gewicht leicht, kann aber auf langen Touren den entscheidenden Unterschied machen.

Reifendruck: Feinjustierung für Performance

Der Reifendruck wird häufig unterschätzt, obwohl er maßgeblich über Grip, Komfort und Kontrolle entscheidet. Zu hoher Druck reduziert die Aufstandsfläche, zu niedriger Druck erhöht Walkbewegungen und Verschleiß.

Orientierungswerte (je nach Fahrergewicht anpassen):

Untergrund 35 mm 40 mm 45 mm
Asphalt 3.0–3.5 bar 2.8–3.2 bar 2.5–3.0 bar
Schotter 2.5–3.0 bar 2.2–2.7 bar 2.0–2.5 bar
Matsch/Sand 2.0–2.5 bar 1.8–2.2 bar 1.5–2.0 bar

Hinweis: Tubeless-Setups erlauben meist etwa 0,3–0,5 bar weniger Druck bei gleicher Sicherheit.

Die 5 besten Gravel Reifen: Unsere Empfehlungen

Schwalbe G-One R

Ein schneller, sportlicher Gravel-Reifen, der für harte Schotterpisten und Asphalt ausgelegt ist. Sein dichtes, feines Profil sorgt für niedrigen Rollwiderstand und gute Beschleunigung, gleichzeitig bietet er überraschend sicheren Grip auf losem Untergrund. Dank stabiler Karkasse und Pannenschutz ist er alltags- und tourentauglich, insbesondere dort, wo Geschwindigkeit im Vordergrund steht. Er ist weniger aggressiv im tiefen Schlamm als gröber profilierte Reifen.

WTB Riddler

Der WTB Riddler ist ein klassischer All-Round-Gravel-Reifen mit eng gesetztem Mittelprofil und markanten Schultern, der vor allem auf trockenem Schotter und festen Trails überzeugt. Er bietet guten Grip in schnellen Kurven und rollt für ein etwas stärker profiliertes Modell überraschend flink. In feuchten oder sehr schlammigen Bedingungen kann der Grip aber deutlich nachlassen, und auch Pannenschutz ist nicht überragend.

Panaracer GravelKing SK+

Der Panaracer Gravelking SK+ ist ein äußerst vielseitiger Reifen mit ausgewogenem Profil, der auf gemischtem Terrain — von Asphalt über harte Schotterwege bis leichten Trails — sehr sicher läuft. Er gilt oft als Benchmark-Reifen für Gravel, weil er zuverlässigen Grip mit niedrigem Rollwiderstand kombiniert und sich relativ einfach montieren lässt. Besonders auf trockener bis mäßig loser Oberfläche ist er schnell und komfortabel, verliert aber etwas Performance, wenn es sehr nass oder schlammig wird.

Maxxis Ravager

Der Maxxis Ravager spielt in Richtung all-terrain/muddy gravel und hat ein aggressiveres Profildesign mit tieferen Stollen als typische Semi-Slick-Reifen. Dadurch liefert er sehr guten Grip in Schlamm, auf losem Schotter oder technischeren Wegen, ohne dabei völlig langsam zu werden. Die stabile Konstruktion und meist gute Pannenschutz-Optionen machen ihn zu einem soliden All-Weather-Reifen, der auf Straße etwas träger rollen kann als spezialisierte Race-Modelle.

Schwalbe G-One Bite

Der Schwalbe G-One Bite ist ein geländeorientierter Gravel-Reifen mit offenerem Profil und etwas größeren, weiter auseinanderstehenden Noppen als der G-One R. Er „beißt“ sich buchstäblich besser in lose oder weiche Untergründe ein, was ihm besonders auf Wald- und Feldwegen oder in lockeren Kurven gute Traktion verleiht. Auf festem Schotter oder Asphalt fühlt er sich etwas träger an als feinere Modelle, bietet dafür aber ein kräftigeres, sichereres Handling im Gelände.

Verfasst von:

Dennis Niedernhöfer

Ist am liebsten im flachen Terrain mit wechselnden Untergründen unterwegs. Fährt derzeit ein Bulls Grinder 3.